Gast- und Landwirtschaft
Garsten
vulgo "Unterstraßer"
Betriebliche Eckdaten
26 ha Grünland, 3 ha Wald
Mutterkühe mit Nachzucht als Biobetrieb, Angus und Gallaway-Rinder, Fleckvieh
Direktvermarktung von Rind- und Schafffleisch, Fisch, Schnapsbrennerei, Most, Saft
Motivation: Was war der Ausgangspunkt bzw. die Überlegungen für das Veränderungsvorhaben?
Nach dem Tod der Großmutter im Jahr 2000 übernahmen Reinhard und Veronika das „Unterstraßer“. Bis dahin brachten der Haubenkoch und seine
Frau, die seit jeher das Service leitete, unter anderem das Restaurant
am Taborturm in Steyr hoch hinauf in den Gourmethimmel. Es zählte unter
ihrer Führung zu den besten Restaurants Oberösterreichs!
Beide
hatten bis dahin keinerlei Erfahrung mit der Landwirtschaft und
Direktvermarktung. Sie wussten nur, dass sie den Hof, der seit den
1960er Jahren an die Justizanstalt Garsten als Außenstelle verpachtet
war, zu einem Gastronomiebetrieb umbauen wollten.
Intention: Was wollten Sie damit erreichen und wie funktionierte die genaue Umsetzung? Was wurde gemacht? Was waren die Holpersteine? Was gibt es zu beachten, wenn man etwas Ähnliches machen möchte?
Fünfzig Jahre lang war kein Groschen in den Vierkanthof „Unterstraßer“
investiert worden. Dementsprechend war auch der bauliche Zustand: das
Obergeschoß zu Zellen umgebaut, alte Lehmböden und ein bröckelndes
Mauerwerk. Umso bemerkenswerter ist es, wenn man das Ergebnis des nur
eineinhalb Jahre dauernden Umbaus heute sieht.
Der Heurige wurde
im September 2004 nach einer intensiven Bauphase eröffnet und mit
zunehmendem Erfolg auf ungefähr 80 Sitzplätze erweitert. 2012 wurde die
Hauskapelle restauriert und dem erstgeborenen Kind, der Dreifaltigkeit
und dem Bauerntum gewidmet, was an den eigens angefertigten Fenstern
ersichtlich ist.
Seit 2000 wird der Betrieb biologisch und
extensiv bewirtschaftet. Der Rinderbestand hat sich in den letzten
Jahren auf circa 50 Stück Galloways, Angus und Fleckvieh erhöht. Der
Familie ist es besonders wichtig, die Entwicklung ihrer Tiere von Geburt
an mitzuerleben, diese artgerecht bis zur stressfreien Schlachtung ohne
Transportwege zu halten und das Fleisch mit optimaler Reifung zu
leistbaren Preisen an ihre Kunden zu bringen.
Im Juli 2025 wurde der Gastronomiebetrieb zugesperrt. In Zukunft liegt
die Konzentration voll auf der Produktion von hochwertigen heimischen
Lebensmitteln.
Auf und rund um den Hof der Gorfers werden schon jetzt Biorinder
großgezogen, Fische gezüchtet, Lammfleisch, Säfte und hochwertige
Mahlzeiten im Glas verkauft.
Emotion: Wie geht es Ihnen mit dem Ergebnis? Würden Sie heute etwas anderes machen; wenn ja was?
Auch wenn sie mit den gesammelten Erfahrungen im Nachhinein manches
anders machen würden, Veronica und Reinhard sind zufrieden und stolz
darauf, was sie geschafft haben.
„Unsere Kinder sollen einmal
selbst entscheiden können, was sie gerne machen möchten. Wir lassen sie
Teil haben am Geschehen, damit sie sehen, dass die Arbeit ihren Eltern
Spaß bereitet. Denn nur wenn sie das spüren, die positiven aber auch die
weniger guten Seiten kennen lernen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass
einer von beiden auch einmal in unsere Fußstapfen treten möchte“.